| Bouldern in Korsika |
| 14.10.2011 | ||||
Eigentlich ist es verwunderlich, dass es auf Korsika nicht mehr Bouldergebiete gibt. Wahrscheinlich liegt das daran, dass außerhalb der ohnehin schon engen Hauptwege einfach die Infrastruktur fehlt, d.h. viele der felsbedeckten Hügel sind nur mit dem Gelädewagen bzw. gar nicht zu erreichen, die Macchia ist oft undurchdringbar und hält die Blöcke auch gut versteckt. So ist es der Arbeit engagierter Lokals zu verdanken, dass lohnende Spots wie „Valdu di Saltu“ überhaupt erst gefunden werden. Wir sind jedenfalls überzeugt, dass es noch viel mehr tolle Plätze gibt, von den unzähligen Blöcken in den Bachbetten mal ganz abgesehen. Wer also seinem Entdeckertrieb freien Lauf lassen will, kann sich hier zur Genüge austoben. Beste Jahreszeiten dafür sind sicher Spätherbst und Frühling, denn selbst bei unserem Besuch Mitte September war es um die Mittagszeit bis weit in den Nachmittag schlichtweg einfach zu warm zum Bouldern.
Leider konnten wir nur die Gebiete von Calvi bis Propriano testen. In den Süden zur Punta di Capineru und an den Strand von Palombaggia haben wirs leider nicht mehr geschafft. Hier nun die Infos zu den einzelnen Spots:
Lumio, das sind acht Blöcke direkt am Felsstrand unterhalb der Ortschaft Lumio, sehr schön gelegen mit Blick auf den Golf von Calvi und das offene Meer. Der Strand ist gut mit dem PKW über eine ebene Schotterstraße zu erreichen. Vom Parkplatz am alten Genueser Turm (Achtung: Camper dürfen nicht in den Parkplatz) zu den Blöcken sind es dann nur mehr gute 300 m zu Fuß der Küste entlang. Wer Bouldern mit Sonne, Strand und Meer verbinden will und Felsstrand mag, der ist hier genau richtig, kurzum, Lumio ist das ideale Gebiet zum Urlaubsbouldern und auch bestens für Familien geeignet.
Der Strand war bei uns am Tag zwar gut besucht, aber nicht überfüllt, am späteren Nachmittag wurde es dann schnell leer und eine Bouldersession bei Sonnenuntergang in Lumio ist wirklich absolut grandios!
Info: -Wer ohne mobilen Untersatz auf Korsika weilt, kann von Calvi bzw. Ile Rousse aus die kleine Eisenbahn nehmen, die an der Küste entlangfährt und sich in Lumio absetzen lassen. -Eine Anfahrtsbeschreibung (auf Französisch und unter Caldanu) findet ihr in der Googlemap von ZeBloc .
In Calvi gibt es gleich mehrere Bouldermöglichkeiten. Da wäre zum einen der markante Felsblock auf der Landzunge nordwestlich der Zitadelle von Calvi, der zwar nur einige wenige Linien bietet, aber als Fotomotiv absolut punkten kann. Weiters gibt’s entlang der Felsküste immer wieder Blöcke verschiedenster Größe und Form, welche die eine oder andere schöne Linie hergeben, aber leider ähnlich wie Lumio sehr grobkörnig sind. Die eigentlichen, im Führer beschriebenen Boulderspots befinden sich rund um die Kapelle Notre Dame de la Serra auf einem Hügel oberhalb von Calvi. Unzählige, teils bis über 5m hohe Blöcke und kleine Wände ragen hier in bizarren Formen aus der Macchialandschaft. In Corsica bloc werden dort sechs kleinere Spots beschrieben, die gut mit dem Auto bzw. nach kurzem Fußmarsch zu erreichen sind. Wir haben den Sektor „Grotte Du Chasseur“ angetestet. Vorweg: Lange Hosen sind hier nicht nur fürs Klettern, sondern auch für den Zustieg absolut von Vorteil. Das Plateau mit den Granitblöcken erreicht man nämlich nur über einen engen Pfad, der durch dichtes kratziges Macchiagestrüpp führt. In diesem Sektor überwiegt eindeutig die senkrechte bis leicht überhängende Kletterei an kleinen Leisten und größeren Kristallen, welche hier aus der ohnehin extrem groben Struktur des Felsens herausragen. Wir hatten teils Schwierigkeiten, die Linien zu finden zumal hier auch die Beschreibungen in "Corsica bloc" sehr spärlich ausgefallen und die Boulder auch nicht markiert sind. Ob der im Führer eingezeichnete Plattenboulder nun einen Meter weiter links oder rechts verläuft ist oft unmöglich zu sagen, aber eigentlich auch egal. Da die Dämmerung schon langsam einsetzte und wir uns nach einem entspannten Strandtag mit vom Schnorcheln durchgeweichten Händen nicht für diese Art der Kletterei begeistern konnten, machten wir nur einige halbherzige Versuche und ließen trotzdem ordentlich Haut zurück -leider haben wir wohl in der Gebietsbeschreibung die Textzeile „it’s better to climb here during the winter“ überlesen.
Laut "Corsica bloc" bieten die restlichen Sektoren teilweise eine etwas andere Kletterei an von Wind und Wetter geformten Blöcken, die Plattenkletterei überwiegt allerdings auch dort. Für Calvi ist der Führer nicht unbedingt erforderlich. Die Kapelle ist von weitem sichtbar und als touristisches Ziel gut ausgeschildert. Auch kann man die einzelnen Felsformationen schon von weitem bzw. zum Teil auch von der Zufahrtsstraße aus sehen. Übrigens unterscheiden sich die im Führer beschriebenen Spots oft kaum von den restlichen umliegenden Gesteinsanhäufungen, die es nicht in den Führer geschafft haben. Tip: -Wer mit dem Zelt unterwegs ist und es nachts gern etwas ruhiger hat, der sollte die strandnahen Campingplätze in Calvi meiden. Dort gibt’s am Wochenende nämlich die geballte Ladung Unterhaltungsprogramm inklusive Open Air Disco bis in die frühen Morgenstunden. Weiter im Landesinneren hat man zumindest mit Oropax eine reale Chance auf eine einigermaßen ungestörte Nachtruhe. -Lumio liegt gerade mal 10 Autominuten entfernt auf der anderen Seite der Bucht.
Corse en Block beschreibt im Restonicatal acht einzelne Sektoren unterschiedlicher Größe (9 bis 29 Böcke) die über die gesamte Schlucht verteilt sind. Aufgrund der alpinen Lage werden die hinteren Sektoren als absolute Sommergebiete gehandelt.
Auch hier gibt’s Granit, was sonst, nur ist er hier viel feinkörniger und bei weitem nicht so scharf wie an der Küste, ja teilweise sogar richtig glatt und wohl vom Bach abgeschliffen. Hier gibt’s Leisten und vor allem viele Sloper, Olivier Broussouloux spricht von einer „pressigen“ Kletterei und damit hat er wohl recht. Leider bleibt es in diesem Sektor bei einigen netten Linien im 7er Bereich gleich am ersten Block, die übrigen Boulder können nicht wirklich mithalten, vor allem die leichteren Linien entpuppen sich als 2-3 Zug Probleme, die uns nicht wirklich motivieren können.
Auf zebloc.com gibts dazu ein kleines Topo.
Leider haben wir keine guten Erfahrungen mit diesem Sektor gemacht, auch wenn die Felsqualität und die Linien vielversprechend aussahen. Wer hier vorbeischauen möchte, sollte das lieber im Spätherbst oder Frühling machen, wenn die Vegetation nicht mehr ganz so undurchdringbar und die Luft etwas kühler ist. Info:
-Der Camping Tuani ist wohl die erste Adresse direkt im Tal (weitere Plätze gibt’s am Taleingang in und um Corte). Er ist wirklich schön gelegen, dafür fanden wir die sanitären Anlagen echt versifft und eklig und die Preise nicht angemessen – kurzum nicht zu empfehlen. -Corte direkt am Talausgang gelegen ist die heimlich Hauptstadt Korsikas und auch einzige Universitätsstadt und bietet alle Annehmlichkeiten einer Kleinstadt so auch Supermarkets und Unterkünfte. Tip: -Das Restonica Tal ist von Calvi , Porto und Ajaccio aus in 1-1,5 Stunden erreichbar (je nach Verkehrslagen und Saison), und somit auch als Tagesausflug machbar.
Nach einem 10 bis 20 minütigen Zustieg erreicht man das Gebiet, welches in einem lichten Wald liegt. Man trifft zunächst auf ein paar einzelne, recht unspektakuläre Blöcke, aber je tiefer man in das Blockfeld vordringt und die verschiedenen Ecken und Winkel erkundet, um so mehr offenbart sich das Potential dieses Spots. Die Blöcke liegen an einem Hang, dennoch sind die Absprünge in den meisten Fällen mehr als nur gut. Der Rückweg ist allerdings etwas mühsam, da man von oben nach unten in das Gebiet vordringt. Der Granit ist hier weit weniger scharf als z.B. an der Küste, so dass man hier durchaus zwei Bouldertage verbringen kann, und bietet alles was das Boulderherz begehrt. Alle bisherigen gekletterten Linien sind farbig markiert und in gutem Zustand, was der großenartigen Arbeit der Locals zu verdanken ist.
Auf zebloc.com gibts Anfahrt und Beschreibung, allerdings nur auf französisch. Angeblich war früher ein Topo kostenlos im Tourismusbüro von Propriano erhältlich, keine Ahnung ob dies nach Erscheinen von "Corsica bloc" immer noch der Fall ist.
Die Topos sind sehr einfach gehalten (keine Fototopos) aber übersichtlich gezeichnet und reichen in den meisten Fällen völlig aus, um sich zurechtzufinden. Die Beschreibung der Linien erfolgt nur auf Französisch, was dort ein Problem darstellt, wo die Linien nicht markiert sind. Die Zufahrten/Zustiege sind sehr gut auf Englisch erklärt und mit den genauen GPS Daten versehen. Zusätzlich gibt’s noch jeweils eine kurze Geschichte zu Spot und Erschließer. Abgerundet wird das ganze durch schöne Fotos, die manchmal aber mehr versprechen als der Spot halten kann. Zusätzliche Informationen und News findet ihr auf der Homepage http://corsica-bloc.fr/ Weitere Infos sowie einige Online Topos gibts bei zebloc.com Einen Bericht übers Bouldern auf Korsika findet ihr auch bei klettern.de Hier noch ein kleines Video von unserem Korsika Trip Und Pics gibts wie üblich in unserer Gallery
Mit dem Flugzeug können die internationalen Flughäfen Bastia, Calvi, Ajaccio und Figari angeflogen werden, allerdings sind die Flüge zumindest in der Hochsaison nicht gerade billig. Zudem sollte man sich vor Ort einen Wagen mieten, da man sonst die einzelnen Boulderspots nur schwer bis gar nicht erreichen kann. Die Busse auf Korsika fahren nur sehr selten und die einzige Schmalspurbahn verbindet lediglich Ajaccio mit Calvi und Bastia.
|





